Vergessen wir mal kurz das Standard-Programm. Wer glaubt, Ostermärkte seien nur die kleine, bunte Schwester der Christkindlmärkte, hat weit gefehlt. In Österreich ist das Ganze eine Mischung aus hartnäckigem Brauchtum, verdammt gutem Essen und einer ordentlichen Portion Frühlingsgefühlen. Wer Lust hat, sich das Ganze mal live anzusehen, sollte wissen, wo man nicht nur billigen Osterschmuck kauft, sondern echte Atmosphäre einatmet.
Schloss Hof: Barocker Wahnsinn im Marchfeld
Man muss es neidlos anerkennen: Schloss Hof liefert ab. Das Anwesen von Prinz Eugen ist ohnehin schon eine Ansage, aber zum Ostermarkt drehen die dort erst richtig auf. Man geht über den Gutshof, und überall wimmelt es von Ausstellern, die ihre Waren nicht einfach nur auf den Tisch knallen, sondern ihre Handwerkskunst regelrecht zelebrieren. Über 100 Stände verteilen sich auf dem Gelände.
Das Schöne hier ist der Kontrast. Auf der einen Seite hat man die extrem schicken Barockgärten, in denen man sich wie ein Statist in einem Historienfilm fühlt, und auf der anderen Seite ist da der rustikale Meierhof. Da riecht es nach Tieren, nach Heu und nach dem Zeug, das man unbedingt essen will: Speckvariationen, Käse direkt vom Erzeuger und diese süßen Osterpinzen, die so fluffig sind, dass man sie eigentlich als Kissen benutzen möchte. Wer Kinder im Schlepptau hat, ist hier sowieso im Paradies – vom Osterhasen-Basteln bis zum Treffen mit den seltenen weißen Barockeseln ist alles dabei. Es ist groß, es ist weitläufig, und man tritt sich nicht gegenseitig auf die Füße.
Mehr zum Ostermarkt Schloss Hof: https://ostermaerkte.at/ostermarkt-schloss-hof.html
Wien: Die Klassiker zwischen Kitsch und Kult
In der Hauptstadt kommt man an zwei Adressen nicht vorbei, wenn man nicht als Kulturbanause abgestempelt werden will. Da wäre einmal das Schloss Schönbrunn. Ja, da sind Touristen. Viele. Aber das hat seinen Grund. Die Kulisse ist einfach unschlagbar. Wenn man dort mit einem Glas Wiener Wein in der Hand zwischen den gelben Mauern und den Frühlingsblumen steht, ist das schon ein ziemlicher Moment. Hier findet man vor allem das „schöne“ Zeug: handgeblasenes Glas, Schmuck und Eier, die so perfekt bemalt sind, dass man Angst hat, sie nur anzuschauen.
Ein paar U-Bahn-Stationen weiter, auf der Freyung, geht es ursprünglicher zu. Der Altwiener Ostermarkt ist der Ort, an dem man sich trifft, wenn man es authentisch mag. Das Wahrzeichen ist der Eierberg – ein gigantischer Haufen aus tausenden bemalten Eierschalen. Es ist wuselig, es ist gemütlich, und man bekommt hier Zeug, das es sonst kaum noch gibt: Ratschen aus Holz, die einen Höllenlärm machen, und Palmbuschen, die so traditionell gebunden sind, dass die Oma stolz wäre.
https://www.ostermarkt-schoenbrunn.at/
Innsbruck und Salzburg: Alpenflair und Brauchtum pur
Wer die Berge im Rücken braucht, muss nach Innsbruck. Direkt vor dem Goldenen Dachl schlagen die Tiroler ihre Zelte – oder besser gesagt ihre Holzbuden – auf. Das hat einen ganz eigenen Vibe. Es ist weniger prunkvoll als in Wien, dafür ehrlicher. Man kauft hier Filzpantoffeln, Zirbenholz-Schnitzereien und Speck, der so lange geräuchert wurde, dass er fast schon als Parfüm durchgeht. Wenn dann noch die Brauchtumsgruppen mit ihren Glocken durch die Altstadt ziehen, um den Winter endgültig in die Flucht zu schlagen, weiß man: Der Frühling ist da.
In Salzburg geht es derweil fast schon nostalgisch zu. Das Freilichtmuseum Großgmain ist der Tipp für alle, die wissen wollen, wie Ostern „früher“ war. In den alten Bauernhöfen wird gezeigt, wie man Eier mit Naturmaterialien färbt – Zwiebelschalen für Goldbraun, Holunder für Lila. Es ist erdig, es ist echt und man lernt nebenbei noch was, ohne dass es sich wie Schule anfühlt.
https://www.grossgmain.info/de/aktuelles/ostermarkt-der-ortsbaeuerinnen
Die Steiermark: Wo das Herz (und der Magen) lacht
Die Steirer können Gastfreundschaft, das ist kein Geheimnis. In Graz am Hauptplatz geht es vor allem um eines: die Osterjause. Wer hier ohne einen ordentlichen Vorrat an frisch geriebenem Kren (Meerrettich), Osterschinken und Kernöl weggeht, ist selbst schuld. Es ist ein Genussmarkt durch und durch.
Ein echtes Schmankerl ist aber Schloss Kornberg bei Feldbach. Das Schloss selbst ist schon ein Hingucker, aber die Osterausstellung dort drin ist legendär. Das ist kein Markt zum schnellen Durchrennen. Man geht durch die herrschaftlichen Räume und sieht Handwerkern über die Schulter, die Eier so filigran bearbeiten, als wären sie aus Porzellan. Es ist ruhig, es ist edel und man spürt bei jedem Aussteller, dass da echtes Herzblut drinsteckt.