Tartu: Universitätsstadt mit UNESCO-Sternwarte und Friedensvertrag

Tartu ist mit seiner 1632 gegründeten Universität die älteste akademische Stadt der baltischen Staaten und war 1920 Schauplatz des Friedensvertrags, mit dem Sowjetrussland die Unabhängigkeit Estlands auf ewig anerkannte. Als zweitgrößte Stadt Estlands liegt Tartu am Fluss Emajõgi im Südosten des Landes.

Die Universität Tartu

König Gustav II. Adolf von Schweden unterzeichnete am 30. Juni 1632 das Gründungsdekret der Academia Dorpatensis, die Eröffnungszeremonie folgte am 15. Oktober desselben Jahres. Laut Universität Tartu startete die Hochschule mit vier Fakultäten, Philosophie, Recht, Theologie und Medizin, nach den Privilegien der Universität Uppsala. Heute ist Tartu die Mutteruniversität der Technischen Universität Tallinn und der Estnischen Universität für Biowissenschaften und betreibt mehrere Museen, eine historische Bibliothek und einen botanischen Garten.

Struve-Bogen: UNESCO-Welterbe in Tartu

Auf dem Domberg steht die Alte Sternwarte Tartu, von 1810 bis 1964 aktiv genutzt. Sie beherbergt zwei von drei estnischen Punkten des Struve-Bogens, einer Vermessungskette aus ursprünglich 265 Stationen von Norwegen bis zum Schwarzen Meer, mit der Astronom Friedrich Georg Wilhelm Struve zwischen 1816 und 1855 Form und Größe der Erde bestimmte. 34 dieser Punkte sind Teil des UNESCO-Welterbes. Struve selbst war Absolvent der Universität Tartu und von 1820 bis 1839 deren Direktor der Sternwarte und Professor für Astronomie. Die UNESCO nahm den Struve-Bogen 2005 in die Welterbeliste auf, laut Universität Tartu ist die Sternwarte damit neben der Tallinner Altstadt eine von zwei UNESCO-Welterbestätten Estlands. Das Gebäude dient heute als Museum für Astronomie, Geodäsie und Seismologie.

Der Friede von Tartu 1920

Am 2. Februar 1920 unterzeichneten Estland und Sowjetrussland in Tartu den Friedensvertrag, der den estnischen Unabhängigkeitskrieg beendete. Laut dem estnischen Außenministerium verzichtete Russland darin dauerhaft auf alle früheren Souveränitätsrechte über das estnische Volk und Gebiet und erkannte die Unabhängigkeit Estlands völkerrechtlich an. Der Vertrag legte die Ostgrenze Estlands fest, die bis 1944 Bestand hatte, und war der erste internationale Vertrag, der das Selbstbestimmungsrecht der Völker festschrieb.

Der Tigutorn am Ufer der Emajõgi

Am rechten Ufer des Flusses Emajõgi steht der Tigutorn, ein 2008 fertiggestelltes Wohnhochhaus, dessen spiralförmig zulaufende Fassade an ein Schneckenhaus erinnert und ihm seinen Namen gab. Entworfen wurde der Turm von den Architekten Vilen Künnapu und Ain Padrik, laut dem beteiligten Ingenieurbüro Tyréns Eesti gilt er als das bekannteste Wohngebäude der Stadt und prägt seither die Skyline am Fluss.

Einreise für Österreicher

Laut Außenministerium brauchen Österreicher für Estland kein Visum, ein gültiger Reisepass oder Personalausweis genügt. Das Land wird mit Sicherheitsstufe 1 eingestuft, gezahlt wird in Euro. Die Sozialversicherung zwischen Österreich und Estland ist über das EU-Recht geregelt, die e-card gilt, eine Reiseversicherung wird dennoch empfohlen.