Tokio Tempel: Sensō-ji, Meiji Jingu und ihre Legenden

Zwischen Wolkenkratzern verbirgt Tokio Tempel mit jahrhundertealten Legenden: einen aus dem Fluss gefischten Buddha, einen von 110.000 Freiwilligen gepflanzten heiligen Wald und das Grab von 47 Samurai, die für ihre Treue bis heute verehrt werden.

Sensō-ji: Tokios ältester Tempel

Der Legende nach fischten zwei Brüder im Jahr 628 eine goldene Kannon-Statue aus dem Sumida-Fluss, die sie mehrfach zurückwarfen, ohne sie loszuwerden, bis sie beschlossen, ihr einen Tempel zu errichten. Laut dem offiziellen Tokioter Fremdenverkehrsamt ist Sensō-ji damit der älteste Tempel der Stadt, erkennbar an seiner fünfstöckigen Pagode und dem Kaminarimon, dem „Donnertor" als Eingang zum Tempelareal. Das heutige, leuchtend rote Hauptgebäude ist ein Nachbau, das Original wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Meiji Jingu: ein Wald aus 100.000 gespendeten Bäumen

Der Schrein Meiji Jingu wurde am 1. November 1920 zu Ehren von Kaiser Meiji und Kaiserin Shōken eingeweiht. Rund um die Schreingebäude legten laut Meiji Jingu etwa 110.000 Freiwillige einen künstlichen Wald aus 100.000 gespendeten Bäumen aus ganz Japan an, geplant als selbsterhaltender Naturwald für die kommenden hundert Jahre. Während die Schreingebäude bei Luftangriffen 1945 zerstört und bis 1958 wiederaufgebaut wurden, überstand der Wald den Krieg unversehrt und gilt seither als unangetastet.

Gotokuji: der Ursprung der Winkekatze

Im Stadtteil Setagaya gilt Gotokuji als Geburtsort der Maneki-neko, der bekannten Winkekatze. Der Legende nach lud eine Tempelkatze im frühen 17. Jahrhundert den Fürsten Ii Naotaka bei einem plötzlichen Gewitter in den Tempel, der daraufhin aus Dankbarkeit die Förderung des Ii-Klans übernahm. Zum Dank wurde die Katze als glücksbringende Kannon verehrt, heute stehen auf dem Tempelgelände tausende weiße Keramikkatzen, die Besucher als Dank für erfüllte Wünsche zurücklassen.

Sengaku-ji: die Gräber der 47 Rōnin

1612 vom Shogun Tokugawa Ieyasu gegründet, ist Sengaku-ji bis heute Begräbnisstätte der 47 Rōnin, die 1702 ihren Herrn Asano Naganori rächten, indem sie dessen Gegner Kira Yoshinaka töteten, und anschließend selbst rituellen Suizid begingen. Tatsächlich zählt der Friedhof 48 Gräber, da auch ein Rōnin einbezogen ist, der bereits vor der Rache Suizid beging. Jedes Jahr am 14. Dezember, dem Jahrestag der Vergeltung, zieht ein Gedenkfest tausende Besucher zum Tempel.