Durchfall im Urlaub: vorbeugen, behandeln und wann man zum Arzt muss

Reisedurchfall ist meist harmlos und klingt nach ein paar Tagen von selbst ab. Das Wichtigste ist, den Verlust an Flüssigkeit und Salz auszugleichen, am besten mit einer Trinklösung aus der Apotheke. Zum Arzt sollte man bei Blut oder Schleim im Stuhl, hohem Fieber, häufigem Erbrechen oder wenn starker Durchfall länger als 48 Stunden anhält. Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, ältere und immungeschwächte Menschen sollten sofort ärztliche Hilfe suchen.

Woher Reisedurchfall kommt

In 80 bis 90 Prozent der Fälle lösen Bakterien oder deren Giftstoffe den Durchfall aus, vor allem Escherichia coli, Campylobacter und Shigellen, so das österreichische Gesundheitsportal. Angesteckt wird man meist über verdorbene oder verunreinigte Speisen und Getränke, besonders in Ländern mit feuchtwarmem Klima, niedrigen Hygienestandards und schlechter Kühlung. Die Erreger gelangen aber auch über verunreinigte Gegenstände an die Hände und von dort in den Mund.

Gegen die häufigsten Erreger von Reisedurchfall gibt es keine Impfung. Über Lebensmittel und Wasser werden aber auch schwere Krankheiten wie Hepatitis A, Typhus oder Cholera übertragen, gegen die man sich vor einer Fernreise ärztlich beraten lassen kann.

Vorbeugen: koch es, schäl es oder lass es

Für Länder mit ungewohnten hygienischen Verhältnissen empfiehlt das Gesundheitsportal den Grundsatz „Cook it, peel it, boil it or leave it“. Im Einzelnen heißt das:

  • Wasser: nur aus original verschlossenen Flaschen trinken, die man selbst öffnet. Auch zum Zähneputzen Flaschenwasser nehmen. Kein Leitungswasser, keine Eiswürfel, kein Wasser aus Brunnen, Bächen oder Quellen.
  • Getränke: Tee und Kaffee nur frisch aufgekocht und dampfend heiß, keine frisch gepressten Säfte, die andere zubereitet haben.
  • Speisen: nur vollständig durchgebraten oder gekocht, frisch zubereitet und heiß serviert. Nichts Lauwarmes vom Buffet oder fertig Gekochtes vom Straßenstand, kein rohes oder halb rohes Fleisch und kein roher Fisch.
  • Obst und Salat: nur, wenn man es kurz vor dem Essen selbst mit abgepacktem Wasser gewaschen und geschält hat.
  • Milchprodukte: nur pasteurisiert und aus einer Packung, die man selbst öffnet.
  • Hände: vor dem Essen und nach der Toilette gründlich mit Seife waschen, unterwegs ein Desinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol verwenden.

Diese Regeln gelten laut Gesundheitsportal je nach Land auch im Luxushotel: Ein gepflegtes Ambiente heißt nicht, dass auch die Küche hygienisch arbeitet.

Was hilft, wenn es passiert ist

Bei Durchfall verliert der Körper viel Flüssigkeit und Salz, bei tropischer Hitze verstärkt das Schwitzen den Effekt. Laut gesundheitsinformation.de, dem Portal des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, ist es deshalb am wichtigsten, viel zu trinken und Salz und Zucker zu ersetzen.

  • Trinklösung: Eine orale Rehydratationslösung aus der Apotheke gehört in die Reiseapotheke. Als Ersatz nennt das Institut eine Mischung nach Empfehlung des deutschen Auswärtigen Amts: 1 Liter abgekochtes Wasser, 4 Teelöffel Zucker, ¾ Teelöffel Salz und ein Glas abgepackter Orangensaft.
  • Essen: Fettiges und Scharfes, Alkohol und Kaffee eher meiden. Häufig empfohlen wird Schonkost wie Reis, Bananen oder Zwieback.
  • Stopfende Mittel: Loperamid oder Racecadotril können helfen, wenn trotz Durchfall eine längere Fahrt ansteht, etwa mit dem Bus. Bei Kindern nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Kohle und Hefe: Ob Kohletabletten oder Hefepräparate helfen, ist wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht. Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sollten keine Hefepräparate nehmen.
  • Antibiotika: nur nach ärztlicher Verordnung. Gegen Salmonellen waren sie in Studien wirkungslos.

Wann man zum Arzt muss

Ärztliche Hilfe braucht man laut gesundheitsinformation.de bei:

  • Blut oder Schleim im Stuhl,
  • hohem Fieber, häufigem Erbrechen, starken Schmerzen oder Kreislaufproblemen,
  • starkem Durchfall, der länger als 48 Stunden dauert, vor allem bei Kindern und älteren Menschen,
  • Zeichen eines hohen Flüssigkeitsverlusts, etwa wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert oder Augen, Wangen und Gesicht eingefallen wirken.

Auch wer in den Tagen oder Wochen nach einer Fernreise starken Durchfall bekommt, sollte zum Arzt gehen und die Reise erwähnen. Bei Krankheiten wie Typhus oder Malaria, die meist mit hohem Fieber verlaufen, kann Durchfall ein Begleitsymptom sein.

Arztkosten im Ausland

Innerhalb der EU hilft die e-card, in vielen Fernreiseländern nicht. Was die e-card abdeckt und worauf man bei einer Reiseversicherung achtet, steht im Ratgeber zur Reiseversicherung. Welche Impfungen vor einer Fernreise sinnvoll sind, erklärt der Ratgeber Fernreisen: Versicherungen und Impfungen.